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16.06.2004

Frauen und Männer: Miteinander oder gegeneinander?

Podiumsdiskussion der Industriellenvereinigung am 15.5.2004 im Rahmen des Schwerpunktes "Zukunft der Beschäftigung" in Kooperation mit DER STANDARD

Die Frage der Gleichstellung von Frauen und Männern bleibt auch am Beginn des 21. Jahrhunderts ein wichtiges Thema, einerseits aus arbeitsmarktpolitischer und demografischer Sicht, andererseits aber auch aus Sicht der Unternehmen im Sinne einer gelebten gesellschaftlichen Verantwortung. Im Rahmen des Schwerpunktes „Zukunft der Beschäftigung“ der Industriellenvereinigung werden mögliche Auswirkungen der gegenwärtigen Trends analysiert und gemeinsame Lösungen zwischen Wirtschaft und Gesellschaft diskutiert.

Gleichstellung ist im Interesse der Unternehmen

Mag. Brigitte Ederer, Vorstandsmitglied der Siemens AG Österreich, unterstreicht die Notwendigkeit, auf die demografische Entwicklung rechtzeitig zu reagieren. „Im Jahr 2013 erreicht die Anzahl der Erwerbstätigen mit 5,13 Mio. ein Maximum und wird ab dann laufend sinken. Unternehmen in Europa können es sich gar nicht leisten, auf Dauer auf mehr als 50 % der Kapazität an Know-how und Fähigkeiten zu verzichten.“ Sie glaubt, dass die Entwicklung in die richtige Richtung geht, auch wenn es langsamer geht als wünschenswert wäre.

Problemsituation Kinder?

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist einer der zentralen Faktoren für die Gleichstellung von Frauen und Männern. Prof. Birgit Bolognese-Leuchtenmüller, Vorständin des Instituts für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Wien, skizziert Problembereiche: „Die Teilzeitarbeitsverhältnisse bei Frauen nehmen massiv zu. Frauen werden aber nicht gewarnt vor der inhärenten Problematik, dass dies Konsequenzen auf Aufstiegschancen und auf die künftige Pensionshöhe hat.“ Darüber hinausgehend hängen die Berufschancen von Frauen massiv von Zufälligkeiten ab, davon, ob man in einer partnerschaftlichen Beziehung lebt, ob ein Kindergarten oder Hortplatz in der Nähe ist, ob es Großeltern gibt, die einspringen, also Zufälligkeiten, die mit der Berufsentscheidung als solche nicht in Verbindung zu bringen sind.
Erschwerend kommt hinzu, dass partnerschaftliche Beziehungen derzeit nur selten gelebt werden. Dr. Sophie Karmasin, Geschäftsleitung der Karmasin Motivforschung, zitiert eine aktuelle Studie, nach der sich in Österreich 26 % der Frauen und 37 % der Männer dem partnerschaftlichen Typ zugehörig fühlen, also eine Balance zwischen Beruf und Familie finden und gemeinsam an der Kindererziehung mitwirken wollen. Die Realität sehe dann allerdings anders aus. „Diese Männer stehen vor einem Dilemma: Sie haben zwar die Perspektive, es müsse in diese Richtung gehen, haben aber noch nicht den Anstoß und die Umfeldbedingungen, um das in die Realität umzusetzen.“

Rahmenbedingungen für Frauen und Männer optimieren

Dr. Erich Lehner, Psychoanalytiker und Männerforscher, betont, dass Familienfreundlichkeit eine geschlechtergerechte Verteilung der Unterbrechung bedeutet. Eine moderne Geschlechterpolitik müsste sowohl eine Frauen- als auch eine Männerpolitik umfassen. „Die Männerforschung hat sehr deutlich belegt, dass es Kosten der Männlichkeit gibt. Natürlich sind Männer privilegiert, aber die Privilegien haben eine Kehrseite, haben Nachteile, und hier sind Männer ansprechbar auf Veränderungsprozesse.“ Als Vorbild für erfolgreiche gesellschaftliche Veränderungsprozesse könne das schwedische Modell dienen.

Die nächsten Schritte müssten aus Sicht der Industriellenvereinigung sein:
- Einleitung eines breiten gesellschaftlichen Prozesses zur Bewusstseinsbildung
- Verstärkt differenzierte, zielgruppenspezifische Lösungen zur weiteren Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf
- Mehr Flexibilität bei der Gestaltung der Arbeitsplätze und der Karrierepfade für Frauen und Männer

Dr. Judith Brunner, verantwortlich für den Schwerpunkt „Zukunft der Beschäftigung“ im Bereich Gesellschaftspolitik der IV, dazu: „Diese Herausforderung können wir nur gemeinsam bewältigen: in einem starken Miteinander von Frauen und Männern, aber auch von Wirtschaft und Gesellschaft.“


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