16.02.2006
Welche Werte braucht die Wirtschaft?
Ethische Unternehmenswerte wurden im Rahmen der Veranstaltungsreihe zu Fragen der Wirtschaftsethik von Vertretern aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft diskutiert.Mit Thomas Maak, Professor am Institut für Wirtschaftsethik der Universität St. Gallen, eröffnete eine Wissenschafter die Veranstaltung, der die Meinung vertritt, dass Unternehmen heutzutage „gläsern“ sind, da sie inmitten der Stakeholder-Gesellschaft wirtschaften. Ethik sollte in die Unternehmensphilosophie mit einbezogen werden. Dabei ergeben sich fünf große Herausforderungen für Unternehmen – die Anspruchsgruppen, Diversität (verschiedene Kulturen, Altersgruppen...), Ethik (z.B. Korruption, Umgang mit Zulieferern), Nachhaltigkeit (Umgang mit Umwelt und Ressourcen) und humanitäre Fragen (Was können od. sollen Unternehmen tun?).
Anschließend an die Worte von Thomas Maak moderierte Christian Friesl (Bereichsleiter Gesellschaftspolitik, IV) die Podiumsdiskussion zum Thema. Johannes Attems, Vorstandsmitglied, berichtete aus dem unternehmerischen Alltag der Oesterreichischen Kontrollbank, wo soziale und ökologische Werte bereits ins Leitbild integriert wurden.
Mit den Worten „Wenn man sich in der Wirtschaft klar wird, dass die Wirtschaft für die Menschen da ist und nicht umgekehrt, dann sind viele Probleme von selbst gelöst“, brachte Friedrich Macher (Kühne und Nagel) die Notwendigkeit der ethischen Wertehaltung im Wirtschaftsalltag auf den Punkt. Der Manager betonte aber auch, dass nicht ein Bereich alleine die gesamte Verantwortung tragen soll. Wirtschaft, Politik und die Zivilgesellschaft sind drei Säulen, die jeweils ihre Verantwortung für die Gesellschaft tragen.
Mehr privat, weniger Staat?
Eine geschwächte Rolle der Politik in diesem Zusammenhang konstatierte hingegen Maria Vassilakou, Klubobfrau der Wiener Grünen. Für sie hat die Politik die Verantwortung, verbindliche Regeln aufzustellen – sie will nicht auf den guten Willen der Wirtschaft alleine vertrauen. Mit dem Rückzug des Staates, steigt die Bedeutung der Zivilgesellschaft.
Als Herausgeber der NGO-Zeitschrift Glocalist Review, forderte Christian Neugebauer die Spendenabsetzbarkeit. Er betonte, dass die Zusammenarbeit von NGOs und der Wirtschaft großteils sehr gut funktioniert. Abschließend wurden Fragen aus dem zahlreich im Reitersaal der OeKB erschienenen Publikum gestellt. Zu der Veranstaltung hatte respACT austria und das OenWE, in Kooperation mit der OeKB und Die Furche geladen.
[ Marion Velik ]
