13.10.2008 Gleichstellung von Frauen und Männern als gesellschaftlicher Auftrag
„Die Gleichstellung von Frauen und Männern ist ein gesellschaftlicher Auftrag und für die Industriellenvereinigung ein Zukunftsthema. Chancen- und Einkommensgerechtigkeit, faire Aufteilung der Familienarbeit sowie eine Veränderung der Rollenbilder sind dabei zentrale Anliegen", betonte der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Mag. Markus Beyrer anlässlich der Fachtagung der IV und der Sozialpartnern am 13. Oktober 2008.
Rollenbilder: Fairness durch Veränderung
Prof. Gudrun Biffl, Donau Universität Krems, sprach sich in ihrem Referat über die Situationsanalyse in Österreich neben Zahlen zu Erwerbstätigkeit und Einkommensunterschiede auch für flexiblere Kinderbetreuung aus: „Österreich hat eine hohe Teilzeit-Beschäftigung, die wichtig für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist," betonte sie und führte weiter aus „aber für einen flexiblen Arbeitsmarkt braucht es nicht nur einen Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen, sondern vor allem deren flexible Gestaltung."
Guido Strunk stellte die Ergebnisse seiner Studie „Man muss als Frau ein Mann sein, um Karriere zu machen" vor. Diese hat ihm zu dem Schluss kommen lassen, dass einzig die Ungleichbehandlung dafür ausschlaggebend ist, dass akademisch gebildete Frauen rund 70.000,- Euro in 10 Jahren weniger als ihre männlichen „virtuellen Zwillinge" verdienen.
Der IV-Generalsekretär argumentiert in eine ähnliche Richtung: „Hemmende Faktoren sind vor allem in einer traditionell und gesellschaftlich bedingten Zurückhaltung zu suchen, Frauen und Männer gleich zu behandeln", so Beyrer. Die Gleichstellung sei jedoch nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern vor allem der ökonomischen Vernunft. Tatsächlich bedeuten mehr Jobs für Frauen in Verbindung mit einem Ausbau flexibler Kinderbetreuungseinrichtungen eine Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und damit des Wirtschaftswachstums.
Mentoring-Programme: Karriere durch Kontakte
Unternehmen wie die Erste Bank Österreich setzen bereits zahlreiche Maßnahmen wie z.B. WiedereinsteigerInnenprogramme, Teleworking oder flexible Arbeitszeitmodelle im Bereich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und wirken dadurch vorbildlich. Allerdings findet man immer noch überwiegend Männer in Führungspositionen. Edda Strutzenberger von der Bundesjugendvertretung riet zu bewährten Mentoring-Programmen wie „genderize", die die persönlichen Kompetenzen stärken, den Wissensaustausch fördern und somit in/direkt beim Fortkommen im Berufsleben helfen können. Besonders aber können anhand solcher Pogramme wichtige Kontakte gesammelt und Netzwerke geknüpft werden, bestätigte Dr. Harald Katzmair, Netzwerkforscher und Gründer von FAS.research Austria, der davon überzeugt ist, dass soziale Beziehungen für die Karriere ausschlaggebender sind als beispielsweise der Bildungsgrad.
Sibylle Hamann, Journalistin und Autorin des Buches „Weissbuch Frauen/Schwarzbuch Männer" plädierte vor allem für eine gerechtere Aufteilung der Betreuungspflichten zwischen Müttern und Vätern. Unternehmen müssen dabei ihren Beitrag leisten und Männer ebenso wie Frauen bei der Übernahme von familiären Pflichten fördern. Dazu braucht es in erster Linie einen nachhaltigen Wandel in der Sichtweise der Gesellschaft über die Rollenverteilung.
„Wir sehen besonders in der Bewusstseinsbildung eine wichtige Maßnahme, um Rollenbilder zu verändern und Gleichstellung zu erreichen", sagte der IV-Generalsekretär. Um der wirtschaftlichen Gleichstellung von Frauen und Männern näher zu kommen, müssen sich alle gesellschaftlich relevanten Akteure daran beteiligen. Die Politik, die Unternehmen und die betroffenen Frauen und Männer spielen hierbei die zentrale Rolle.
