04.11.2008

04.11.2008 Zuwanderung gestalten – Wahrnehmung ändern

Industriellenvereinigung, Wirtschaftskammer Österreich sowie die International Organization for Migration haben einen Vorschlag zu einem kriteriengeleiteten Migrationssystem erarbeitet. Dieses wurde am 4. November auf der Veranstaltung „Zuwanderung gestalten. Perspektiven für ein zukunftsorientiertes Zuwanderungsmodell" vorgestellt und diskutiert.

Im Zuge der Diskussion herrschte in einem wesentlichen Punkt Einigkeit: Österreich ist ein Zuwanderungsland. Es sei daher zentrale Aufgabe der Politik, dies zu kommunizieren, statt Ängste zu schüren, denn klar ist auch: In Sachen Migration und Integration bestehe in  Österreich akuter Nachholbedarf. Deshalb fordere die Industrie schon lange die Einführung eines kriteriengeleiteten Migrationsmodells, betonte Mag. Georg Kapsch, Vorsitzender des Ausschusses für Gesellschaftspolitik der IV. „Bei unserem Vorschlag geht es nicht um zusätzliche Migration - vielmehr wollen wir eine besser strukturierte Zuwanderung für Österreich", versuchte Kapsch, Bedenken zu zerstreuen. Für einen Erfolg in der Mirgrationspolitik seien die Rahmenbedingungen entscheidend: schnellere und unbürokratischere Anerkennung von ausländischen Studientiteln, gezielte Informations- und Beratungsangebote für interessierte Migrantinnen und Migranten. „Vor allem muss sich die Wahrnehmung der Menschen ändern: Wir dürfen Migration und Integration nicht als Gefahr sehen, sondern müssen sie als Chance begreifen", betonte Kapsch.

Prof. Dr. Steffen Angenendt, Stiftung Wissenschaft und Politik, bestätigte die Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels: Neben der demographischen Entwicklung - von 2015 bis 2020 wird sich die Erwerbsbevölkerung in Österreich um drei Prozent verringern - sei Österreich mit einer Akademikerquote 11,3 % auch Schlusslicht innerhalb der OECD, was den Qualifizierungsgrad der Migrierenden betrifft. Österreich müsse gerade für Höherqualifizierte attraktiver werden, forderte Dr. Martin Gleitsmann, Abteilungsleiter Sozialpolitik & Gesundheit der WKÖ: „Wir brauchen ein zukunftsorientiertes Migrationsmodell, auf Basis eines Punktesystems, transparent gestaltet und gezielt auf den Bedarf des österreichischen Arbeitsmarktes abgestellt."

Die Wirtschaft brauche Fachkräfte, betonte AMS-Vorstandsmitglied Dr. Johannes Kopf. Man müsse daher Menschen dazu motivieren, nach Österreich zu ziehen. Dr. Christoph Klein, AK-Bereichsleiter Soziales sprach sich für ein eigenes Staatssekretariat für Migration und Integration aus, um die Koordination aller Agenden zu bündeln. Präsident Dr. Franz Küberl, Caritas Österreich, begrüßte die Initiative von IV, WKÖ und IOM ausdrücklich: „Migration wird hierzulande bedauerlicherweise aus einem rein sicherheitspolitischem Winkel betrachtet. Erfreulich, dass der Mut vorhanden ist, einen fundierte Diskussion über Alternativen anzustoßen."


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