22.06.2009

Appell der Industrie: Mehr Sachlichkeit in der Reifeprüfungs-Diskussion

Einführung einer standardisierten, kompetenzorientierten Reifeprüfung „längst überfällig“ – Gewährleistung höherer Objektivität, Transparenz und Vergleichbarkeit von Leistungen unverzichtbar

Die Fortsetzung der Schulreform und damit die Umsetzung einiger dringend notwendiger - im Regierungsprogramm festgeschriebener - bildungspolitischer Maßnahmen sind der Industriellenvereinigung (IV) auch in wirtschaftlich extrem schwierigen Zeiten ein großes Anliegen. Vor diesem Hintergrund appelliert die Industrie in Zusammenhang mit der aktuellen politischen Diskussion um die teilzentrale Reifeprüfung an die Verhandlungspartner, möglichst rasch einen Konsens auf rein sachlicher Ebene zu finden. Österreich, dessen Schulsystem nachweislich Nachholbedarf aufweist, kann sich weitere Verzögerungen bei der Umsetzung qualitätssteigernder Maßnahmen nicht leisten.

So ist auch „die Einführung einer standardisierten, kompetenzorientierten Reifeprüfung längst überfällig" betont Dr. Gerhard Riemer, IV-Bereichsleiter für Bildung, Innovation und Forschung. Diese sollte in den Kernfächern sowohl an AHS wie auch an BHS eingeführt werden. Es darf nicht sein, dass - schon wieder - sachlich notwendige Schulreformen an Einzelinteressen scheitern. Damit würde der zunehmende Eindruck der „Unreformierbarkeit" des österreichischen Schulwesens nur neuen Auftrieb erhalten.

Die neue teilzentrale Reifeprüfung an AHS gewährleistet eine höhere Objektivität, Transparenz und Vergleichbarkeit von Schüler/innen-Leistungen und stellt somit ein Mittel zur Qualitätssicherung dar, das sowohl im nationalen, als auch im internationalen Kontext in Zukunft unverzichtbar ist. Die zentral vorgegebenen schriftlichen Klausuren ermöglichen es einerseits den tertiären Bildungseinrichtungen, sich besser auf das Einstiegsniveau der Maturantinnen und Maturanten einzustellen, und erlauben andererseits einen besseren europäischen Vergleich von Abschlüssen (Stichwort: EQR, NQR).

Sowohl bei der vorwissenschaftlichen Arbeit als auch bei den mündlichen Prüfungen wird grundsätzlich Rücksicht auf die gesetzlichen Sonderformen der AHS und auf die an den Standorten autonom entwickelten Schwerpunkte genommen, womit den Schülerinnen und Schülern gleichzeitig nach wie vor die Möglichkeit gegeben wird, sich auf persönliche Interessen und Stärken zu konzentrieren.

Geplant ist, diese neue Reifeprüfung bundesweit ab dem Haupttermin 2014 einzuführen, womit Österreich den Entwicklungen im Bereich der zentralen Abschlussprüfungen der Sekundarstufe II in vielen europäischen Ländern deutlich nachhinkt.

Die Industriellenvereinigung spricht sich deshalb - auch im Sinne des Positionspapiers „Schule 2020" - deutlich für die ehest mögliche Einführung der standardisierten und kompetenzorientierten Reifeprüfung als logische Folge der gesamten Bildungsstandard-Entwicklung nicht nur für AHS, sondern auch für BHS, aus.


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Prof. Dr. Gerhard Riemer, Bereichsleiter Bildung, Innovation & Forschung
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