Innovation in der Krise! Gerüstet für den Aufschwung?

Antizyklische Investitionen in Forschung und Innovation werden als „Wunderwaffe gegen die Krise“ propagiert. Dennoch scheinen sie in Widerspruch zum eingeleiteten Sparkurs vieler Standorte oder in direkter Konkurrenz zu „traditionellen“ politischen Aktionsfeldern zu stehen.

Welche Rollen Innovation und F&E in Zeiten der Krise tatsächlich einnehmen, welche Maßnahmen im Innovationsbereich jetzt gesetzt werden müssen und ob sich Europa - und im Speziellen Österreich - auf einem zukunftorientierten Weg befindet, sollte durch diesen Arbeitskreis 01 beleuchtet werden.

Die Expertinnen und Experten aus Industrie und Wissenschaft waren sich einig, dass trotz der derzeitigen Fokussierung auf wichtige und richtige Maßnahmen zur direkten Krisenbekämpfung, Investitionen mittel- und langfristigen Fragen der Zukunftsfähigkeit Europas nicht aus den Augen verloren werden dürfen. Die Weichen für die Zeit „danach" müssen zeitgerecht gestellt werden, denn der Innovationsstandort Europa muss in der Aufschwungphase stärker und besser aufgestellt sein als seine Mitbewerber.

3 Kernaussagen für Österreich:

1. Österreich muss jetzt agieren
Die Entwicklung einer umfassenden nationalen Innovationsstrategie hat oberste Priorität. Dennoch müssen umgehend entsprechende innovationsstimulierende Maßnahmen umgesetzt werden. Dies gilt umso mehr, da viele andere Staaten bereits massiv antizyklisch in F&E investieren.  

2. Österreich muss fokussieren
Um international konkurrenzfähig zu bleiben, müssen Investitionen und Engagement auf einzelne Felder konzentriert werden. Top-Priorität: Pflege der internationalen Leitbetriebe, Schaffung von Innovationskultur, Sicherstellung des qualifizierten Nachwuchses, Fokus auf technologische Stärkefelder wie IKT oder Green Technologies.

3. Österreich muss verlässlich sein
Kontinuität und Vertrauen sind Schlüsselfaktoren zur Forcierung von Forschung und Innovation. Eine klare Mission für den Standort und langfristige Planungssicherheit bei der Forschungsförderung sind das Gebot der Stunde - insbesondere für internationale Leitbetriebe, die jetzt über Investitionen an unterschiedlichen Standorten entscheiden.

Gernot Hutschenreiter (Deputy Head, Country Review unit, OECD) betonte, dass sich bei entsprechendem Engagement auch in der Krise Chancen für moderne Wirtschaftsstandorte ergeben - allen voran die Wiederbelebung des Produktivitätswachstums als wichtigste Quelle des langfristigen Wachstums. Die beträchtlichen Unterschiede in der Dimensionierung der Konjunkturpakete einzelner Innovationsstandorte spiegeln sich auch in deren Zukunftsprognosen wieder. Neben den USA und Japan dürften einige "emerging economies" wie Korea oder Indien aufgrund ihrer Investitionen auch während der Krise an Innovationskraft gewinnen. Allen voran aber China, das bezüglich seiner F&E-Aufwendungen bereits heute gleichauf mit Europa liegt, dessen Forschungsquote stagniert.

Matthias Weber (Geschäftsfeldleiter Research, Technology and Innovation Policy, AIT) analysierte die Konjunkturpakete einzelner Staaten im Detail und unterstrich das antizyklische Engagement von Kanada im Bereich der Infrastruktur, von Australien im Bereich der Bildung, von Korea in den „Green Technologies" und von Schweden im Bereich von Forschung und Innovation. Für Europa ist eine konsequente und kontinuierliche Verbesserung des Innovationssystems essenziell - ein Bestreben, das in der Krise antizyklisch verstärkt werden sollte. Österreich, dessen Konjunkturpakete bisher im Bereich der Zukunftsinvestitionen unterdurchschnittlich ausfielen, ist gefordert, sich an internationalen best-practise Beispielen zu orientieren. Dreh- und Angelpunkt dafür ist die Entwicklung einer bisher fehlenden Gesamtstrategie für den Innovationsbereich.

Felix Thun-Hohenstein (Managing Director 3M Österreich GmbH) skizzierte aus Sicht eines multinationalen Unternehmens die Hauptfaktoren für erfolgreiche Innovationsstandorte. Der Schlüssel ist in einer stark ausgeprägten Innovationskultur in der Gesellschaft zu sehen. Eine klare Strategie für den Standort mit Fokus auf die Segmente mit hoher Kompetenz (Portfolio-Analyse) muss durch den Zugang zu entsprechenden Technologien und durch ausreichend finanzielle Mittel für den F&E-Bereich ergänzt werden. Nur dadurch kann Europa heute noch mit der hohen Standortattraktivät der BRIC-P-Länder mithalten, die - noch verstärkt durch die Krise - immer stärker im Fokus von global agierenden Unternehmen stehen. Für Österreich bedeutet dies vor allem, dass ein Kulturwechsel hin zur Innovationsgesellschaft stattfinden muss. Unser Land ist gefordert, einen Paradigmenwechsel im Bildungssystem zu vollziehen, internationale Leitbetriebe zu pflegen und eine klare Definition der Zukunftsstrategie für den Standort auf Basis der bestehenden Stärken zu entwerfen.   

Edeltraud Stiftinger (Head of Corporate Technology Central Eastern Europe, Siemens AG Österreich) stellte die Verlässlichkeit der Innovationspolitik als eines der entscheidenden Bedürfnisse von internationalen Leitbetrieben dar. Neben der wichtigen und richtigen Entwicklung einer nationalen Innovationsstrategie für Österreich ist jedoch die rasche Umsetzung entsprechender Maßnahmen entscheidend. Die deutlichen Standortnachteile Österreichs (kleiner Markt, wenige Konzernzentralen) müssen durch eine Fokussierung auf die Bedürfnisse von Leitbetrieben kompensiert werden. Der Erhalt der Standortattraktivität für international agierende Unternehmen ist entscheidend, da 65% der privaten F&E-Ausgaben in Österreich „auslandsgesteuert" sind und der konzerninterne Standort-Wettbewerb vor allem in Zeiten der Krise zunimmt. Österreich muss gerade heute „Gestaltungswillen" zeigen, die Verfügbarkeit der besten Köpfe für Innovation sicherstellen und klare, international sichtbare Signale im Bereich der Förderpolitik setzen.

Harald Himmer (Generaldirektor Alcatel Lucent Austria AG, Head of Central Europe Alcatel-Lucent) rief zur Formulierung einer Mission für den Innovationsstandort Österreich auf, welche durch klare Zielvorgaben und Schwerpunktsetzung zu ergänzen ist. Im Bereich der Hochschulen ist Österreich gefordert, eine stärkere Anbindung an die Industrie herzustellen. Dadurch kann nicht nur ein stärkerer Praxisbezug während der Ausbildung, sondern durch die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Industrie auch mehr Exzellenz im Gesamtsystem sichergestellt werden. Die stärkere Fokussierung auf Leitindustrien und Kontinuität bei der Verfolgung von „Umbrella-Themen" stellt eine weitere Herausforderung für den Innovations-Standort dar. Für den Bereich IKT trifft dies im besonderen zu, da Entwicklungen dieses Technologiefeldes nicht nur als Fundament und „ecosystem" für Innovationen in anderen Bereichen fungieren, sondern bereits in der Vergangenheit ein großer Teil des heimischen Wachstums durch IKT begründen war.


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Die Bedeutung von Innovation in der Krise beschäftigte die Teilnehmer von AK01
Die Bedeutung von Innovation in der Krise beschäftigte die Teilnehmer von AK01



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