Über Werte aller in der Gesellschaft reden
„Wenn wir über Werte reden, dann müssen wir über die Werte aller in der Gesellschaft reden", sagte er. „Wir müssen uns überlegen, wie wir mit dem Thema Gleichstellung der Frau, mit Integration, wie wir mit Gerechtigkeit umgehen. Erst in diesem Wertekanon kann sich die Wirtschaft angemessen positionieren", so Friesl. Er vermisse die grundlegende Frage nach der wirtschaftspolitischen Philosophie in unserer Gesellschaft. „Da fehlt uns noch die Nachhaltigkeit." Kritik an angeblich fehlender gesellschaftlicher Verantwortung bei größeren Unternehmen lässt Friesl nicht gelten: „Wir haben in Österreich aufgrund der Tradition auch börsennotierte Unternehmen, die federführend sind, was den Bereich der gesellschaftlichen Verantwortung anbelangt." Bereits bevor sich die Beschäftigung mit CSR auch in Österreich durchsetzte, hätten sich heimisch Unternehmen in besonderem Maße durch ihr Engagement für Bildung, Gesundheit und soziale Anliegen ihrer Mitarbeiter hervorgetan.
Ebenfalls abzulehnen sei die ab und zu in den Medien auftauchende, grundsätzliche Kritik an den staatlichen Konjunkturhilfen. „Diese finanziellen Mittel waren notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit aufrechtzuerhalten", so Friesl. Gerade angesichts der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise habe sich Österreich nicht von der internationalen Entwicklung abschotten können. Österreich verfüge jedoch, so Friesl abschließend, über einen gewissen Vorteil in der Krise: „Österreich ist ein Land, in dem eine hohe soziale Kompetenz herrscht, wo der soziale Friede sehr hoch geschätzt wird. Das trägt dazu bei, dass wir in Krisensituationen gut aufgestellt sind."
