Industrie: Duales System der Berufsbildung in der EU stärken
IV-Riemer: Jetzt Weichen für einen erfolgreichen Aus- und Aufstieg aus der Krise stellen – Bildung und Ausbildung zentral – Anerkennung beruflicher Bildung auf europäischer Ebene erforderlich„Wir müssen JETZT die Weichen für einen erfolgreichen Aus- und Aufstieg aus der Krise zu stellen. Der Bereich Bildung und Ausbildung ist dabei zentral", betonte Dr. Gerhard Riemer, Bereichsleiter Bildung, Innovation und Forschung der Industriellenvereinigung (IV) heute, Freitag. Eine wichtige Rolle, um für ausreichenden Nachwuchs qualifizierter Fachkräfte zu sorgen, komme dabei der dualen Berufsbildung zu. „Wir müssen unser System den hohen Anforderungen an Qualifikation und Flexibilität der Absolventinnen und Absolventen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Wirtschaft, aber auch an das geänderte Umfeld - demografische Entwicklung, Trend zu höheren Qualifikation, Tertiärisierung des Bildungssektors - anpassen." Wichtig sei es dabei auch, eine stärkere Anerkennung der beruflichen Bildung in der EU zu erreichen, wie Riemer weiters betonte: „Dieses gemeinsame Anliegen in den Ländern D-A-CH war Anlass für einen ‚Schulterschluss' zwischen dem Institut der Deutschen Wirtschaft, dem Schweizer Think tank Avenir Suisse und der IV."
In allen drei Ländern seien die Bemühungen zur Verbesserung der Attraktivität der dualen Bildung ähnlich. In Österreich seien die Übergangswege von der praktischen Ausbildung in den Hochschulsektor zwar bereits ganz gut ausgebaut, allerdings würden diese noch zu selten genutzt. „Es besteht aber durchaus die Gefahr, dass berufliche Qualifizierung und Abschlüsse im Rahmen der ‚Nationalen Qualifikationsrahmen' (NQR) im Vergleich zu akademischen Bildungswegen als ‚geringwertiger' eingestuft werden", warnte der IV-Bereichsleiter. Dies könnte zu einer geringeren Einstufung, Bewertung und Anerkennung der Abschlüsse heimischer Absolventinnen und Absolventen im Ausland und damit auch des Innovationsstandortes führen.
Für die Industrie gehe es dabei unter anderem darum, Abschlüsse wie den HTL-Ingenieur, den Industrietechniker, den Industriemeister oder ähnliche Qualifikationen möglichst hoch (z.B. Qualifikationslevel 6) einzuordnen und auch die unterschiedlichen Qualitätsstufen in der Lehrlingsausbildung zu berücksichtigen (z. B.: Automatisierungstechniker versus Friseur). „Änderungen sind aber auch bei den OECD-Rankings, wie etwa beim Vergleich der tertiären Bildungsabschlüsse notwendig, da diese derzeit die berufliche Bildung nicht berücksichtigen", betonte Riemer. Dadurch entstünde ein verzerrtes Bild der Innovationskraft der Länder. Die 3-Länder-Initiative ziele deshalb darauf ab, via BIAC bei der OECD eine Anpassung der internationalen Vergleiche zu erreichen.
