Industrie: Commitment zur Lehrlingsausbildung ungebrochen
IV-Vize-GS Koren: Hoher Prozentsatz der Unternehmen gehen von Zunahme der Lehrstellen aus – Es geht nicht um mehr, sondern qualifiziertere Zuwanderung – Restriktionen am Arbeitsmarkt kosten auch heimische Jobs„Das Commitment der Industrie zur Lehrlingsausbildung ist ungebrochen", betonte der Vize-Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV) Ing. Mag. Peter Koren heute, Mittwoch. Eine aktuelle Umfrage der IV zeige dies deutlich: „Ein hoher Prozentsatz gerade der ausbildungsintensiven Unternehmen geht sogar davon aus, dass die Zahl der Lehrstellen 2010 und 2011 zunehmen wird." Gerade bei diesen Unternehmen, die eine Ausbildung auf hohem Niveau bieten, sei der positive Trend somit ungebrochen. Angesichts von Auftrags- und Produktionsrückgängen im zweistelligen Bereich aufgrund der Krise, sei es der Industrie dennoch gelungen, qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, insbesondere Fachkräfte, zu halten, wie Koren hervorhob: „Wir haben die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durch die Krise getragen." Auch bei den Lehrlingszahlen war in der Industrie im Krisenjahr 2009 der Rückgang mit einem minimalen Minus im Vergleich zu allen anderen Wirtschaftsbereichen am geringsten! Ein Problem, das allerdings bereits häufig von Unternehmen erwähnt werde, sei die oft mangelhafte Vorbildung der Auszubildenden, wodurch sich die Unternehmen schlichtweg einem zu geringen Angebot an qualifizierten Jugendlichen gegenüber sehen. „Aufgrund des technischen und strukturellen Wandels in der Industrie werden in den Industrielehrberufen hohe Anforderungen gestellt, die derzeit von Schulabsolventen vielfach nicht erfüllt werden können." Maßnahmen wie der verpflichtende Kindergarten, Sprachstandfeststellung bei Kindern und die Einführung von Bildungsstandards sollten mittelfristig die Qualität verbessern.
Zu Kritik seitens der Arbeitnehmervertreter am Eintreten der Industrie für die möglichst rasche Einführung der „Rot-Weiß-Rot-Card" hielt Koren einmal mehr fest: „Es geht uns keineswegs um mehr, sondern qualifiziertere Zuwanderung." Bereits jetzt sei Österreich ein Zuwanderungsland, „wer dies leugnet, verschließt die Augen vor der Realität", so Koren. Von den seitens der AK auf einer Pressekonferenz heute erwähnten 500.000 15- bis 19-jährigen seien ebenfalls bereits rund 200.000 Jugendliche mit Migrationshintergrund. „Wir müssen den bereits in Österreich lebenden Migrantinnen und Migranten möglichst Chancengleichheit bieten und für eine funktionierende Integration sorgen. In der Zukunft muss es uns ein Anliegen sein, jene nach Österreich zu holen, die wir auch wirklich am Arbeitsmarkt brauchen." Die Einführung eines kriteriengeleiteten Migrationsmodells durch die „Rot-Weiß-Rot-Card" sei hier der Schlüssel, betonte Koren: „Wir müssen jetzt handeln, wenn wir morgen nicht gröbere Probleme haben wollen: Bis zu einem Funktionieren eines solchen neuen Systems vergehen Jahre." Zudem sei es eine Fehleinschätzung, dass Migration heimische Arbeitplätze kosten würde: Besetzungsschwierigkeiten bedeuten, dass zusätzliche Aufträge in der Industrie nicht angenommen werden können. „Wenn also eine Schlüsselposition unbesetzt bleibt, können Positionen auch in der Folge nicht besetzt werden. Restriktionen am Arbeitsmarkt kosten damit Jobs - gerade auch für inländische Arbeitnehmer", betonte der IV Vize-Generalsekretär. Von Lohn- und Sozialdumping könne zudem in der ohnehin „überdurchschnittlich zahlenden Industrie keine Rede sein."
