30.07.2010

Industrie: Müssen uns weiter auf unsere Exportstärke konzentrieren

IV-Präsident Sorger fordert, dass die Regierung bei der Budgetkonsolidierung vor allem ausgabenseitig operieren muss. Vor Standort-schädlichen Änderungen, etwa bei der Gruppenbesteuerung, müsse eindringlich gewarnt werden.

„Um den kommenden Aufschwung nützen zu können, müssen wir uns als kleine Volkswirtschaft auch weiterhin massiv auf unsere Exportstärke konzentrieren", forderte der Präsident der Industriellenvereinigung (IV) Dr. Veit Sorger bei den Kommunalen Sommergesprächen in Bad Aussee. Ein selbsttragender Aufschwung sei jedoch derzeit noch nicht in Sicht. Das Produktionsniveau vor der Krise werde in manchen Branchen voraussichtlich erst 2012 wieder erreicht werden. Europa sei insgesamt noch weit entfernt, die Krise nachhaltig überwunden zu haben. „Europa wächst im Vergleich zu allen anderen Regionen der Welt unterdurchschnittlich", so Sorger, der daher anregte, ein neues Miteinander in der EU und mehr Solidarität unter den Mitgliedern zu fördern. Kritik an exportorientierten Staaten wie etwa auch Österreich sei jedenfalls nicht gerechtfertigt: „Einige Länder können nicht dauerhaft über ihre Verhältnisse leben und dann die wettbewerbsstarken Volkswirtschaften zu einem Exportverzicht auffordern."

Bei der Sanierung der öffentlichen Haushalte sollte „der Fokus durch entsprechende Strukturreformen auf die Ausgabenseite gelegt werden", betonte der IV-Präsident.  Durch Strukturreformen in den Bereichen von Verwaltung, Pensionen und im Gesundheitswesen könnten wesentliche Einsparungen durch Effizienzgewinne gehoben werden. Einsparpotentiale sieht Sorger etwa durch eine Rücknahme der Abschaffung der Studiengebühren, der Verlängerung der Hacklerregelung sowie der Einführung von ermäßigten Mehrwertsteuersätzen. Nicht angetastet werden sollte die Gruppenbesteuerung, da „diese für den Wirtschaftsstandort ein wichtiger Wettbewerbsvorteil ist. Änderungen an dieser Stelle könnten massiv heimische Arbeitsplätze gefährden", wie Sorger warnte. Eine strikte Absage erteilte Sorger zudem der Forderung der Gewerkschaft nach einer Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich.

„Wir müssen zwar sparen, aber wir müssen auch den Mut aufbringen, in die Zukunft zu investieren!", appellierte Sorger. Investitionen sollten in Aus- und Weiterbildung, Forschung und Entwicklung und in die Infrastruktur getätigt werden, um den Standort Österreich langfristig attraktiv zu machen. Sorger lobte die unterstützende Forschungsförderung und betonte die starke Rolle der heimischen Leitbetriebe bei den Investitionen in Forschung und Entwicklung.


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IV-Präsident Dr. Veit Sorger
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