IV-Umfrage Panel 50 mahnt für das zweite Quartal Entbürokratisierung ein
Österreichs führende Vertreter aus Industrie, Finanzwirtschaft, Wissenschaft und Verbänden bewerten vierteljährlich wirtschaftspolitische MaßnahmenDas Standortbarometer der Industriellenvereinigung (IV) zeigt Probleme in den Bereichen Energie und Umwelt, aber Fortschritte bei Infrastruktur und F&E.
Schlechte Noten im neuesten Standortbarometer der Industriellenvereinigung zum zweiten Quartal 2006 gingen an den Bereich Energie. Nicht nur die Gaskrise und die fehlende europäische Energiepolitik hätten den Bereich gedämpft, sagt Peter Koren, Vize-Generalsekretär der IV, in einem Interview im heutigen "Wirtschaftsblatt". "Hinzu kamen der in Österreich mangelnde Wettbewerb, der geplatzte OMV-Verbund-Deal und das Thema Versorgungssicherheit." Die Stimmung wurde über das "Panel 50" festgemacht, einem Instrument zur quartalsweisen Einschätzung der Standortqualität Österreichs und der aktuellen standortpolitischen Massnahmen. (> mehr Information)
Verbesserungen bei Infrastruktur
Andererseits habe sich die Einschätzung zum Thema Infrastruktur verbessert. Nicht zuletzt die Südumfahrung Wiens habe hier gewirkt, aber auch die seit 1. Jänner 2005 von der Regierung zusätzlich eingesetzten 300 Millionen Euro für Strasse und Schiene zeigten Wirkung, so Koren. "Offensichtlich zeigt sich hier die Auswirkung des Post-Börsegangs, der dem Thema Infrastruktur zugerechnet wurde, aber auch der endgültige Fall der Handymastensteuer." Bedarf sehen die Befragten bei Entbürokratisierung und Marktliberalisierung.
Die Verfahrensdauer bei Genehmigungen und die Behördenliberalisierung sind noch ein negativ besetztes Thema. Insbesondere die Industrie hätte sich von der Einigung zur Dienstleistungsrichtlinie mehr erwartet. Ein wichtiges Thema bleibt das Sozialsystem. Die Lohnnebenkosten, die Koren lieber "Arbeitszusatzkosten" oder "Arbeitsverteuerungskosten" nennt, müssten runtergeschraubt werden. Einen leichten Dämpfer bekam der sich auf hohem Niveau befindliche Kapitalmarkt. Dazu beigetragen hätte sicher der fehlgeschlagene Deal OMV-Verbund, sagt Koren.
Der Börsegang der Post werde sehr positiv gesehen, dieser sei zum absolut richtigen Zeitpunkt gekommen. Positiv hebt Koren die Bereiche Infrastruktur und Forschung und Entwicklung hervor.
Die Ergebnisse im Detail
Energie und Infrastruktur
Schlechte Noten bekam der Bereich Energie. Hier schug zum einen die Gaskrise Anfang des Jahres massiv zu Buche, andererseits zeigte sich der mangelnde Wettbewerb in Österreich. Dagegen schnitt der Bereich Infrastruktur relativ gut ab. Dazu trug auch der Fall der Handymastensteuer bei.
Umfeld und Haushalt
Schlechtere Noten bekam das makroökonomische Umfeld, vor allem durch die stark gestiegenen Primärenergiekosten, die Zinserhöhung der EZB und die Inflation. Der öffentliche Haushalt wurde von den Befragten mehr oder weniger als in Ordnung eingestuft.
Kapitalmarkt und Sozialkapital
Gute Noten gaben die Top-Manager dem Kapitalmarkt, wobei ein leichter Knick zu verzeichnen war. Das könnte auf den geplatzten OMV-Verbund-Deal zurückgeführt werden. Schlechte Noten bekam das Thema Sozialkapital. Die Befragten monierten, dass die Einstellung zur Globalisierung, EU-Präsidentschaft etc. zu negativ sei.
Forschung & Entwicklung, Bildung
Sehr gute Noten bekam der Bereich F&E. Hier wirkt die Bündelung der Forschungsaktivitäten und die politische Einigung biem siebenten Forschungs- und Entwicklungsprogramm. Auch die Bildung wird positiv wahrgenommen, vor allem die Einigung bei der Elite-Uni.
Entbürokratisierung und Umwelt
Schlechte Noten bekam der Bereich Umwelt und Umweltschutz. Hier dämpften die zur zeit der Befragung ausstehende Einigung über die Zuteilung der C02-Zertifikate und die tatsächlichen Kosten für den Ökostrom die Stimmung. Relativ positiv sehen die Spitzenkräfte Entbürokratisierung und Marktliberalisierung.
Arbeitsmarkt und Sozialsystem
Positiv ist die Einschätzung der Befragten zum Thema Arbeitsmarkt, dieser zieht leicht an. Andererseits orten die Spitzenkräfte in Unternehmen und Verbänden die Arbeitszeitflexibilisierung als großes Thema.

