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[ 24.05.2005 ]

Wo sich Ökonomie und Ökologie treffen: Energiesparen mit Produkten der OÖ. Industrie

Moderne Energiespar-Standards für Altbauten würden den CO2-Ausstoß in OÖ um jährlich 23.500 Tonnen reduzieren • Pöttinger: „Die Investitionen brächten bis zu 2.700 neue Arbeitsplätze!“

Die im Zuge des Kyoto-Protkolls von der österreichischen Bundesregierung eingegangene Verpflichtung, die Treibhausgas-Emissionen gegenüber dem Basisjahr 1990 um 13 Prozent zu senken, stellt für den Industriestandort Oberösterreich weiterhin eine massive Bedrohung dar. Maßnahmen wie die Einführung des Emissionszertifikate-Handels, die Höhe der Energiesteuern und Ökostromzuschläge sowie die Förderung von wirtschaftlich unrentablen Ökostromanlagen gehen vor allem zu Lasten der energieintensiven oberösterreichischen Industrie. Langfristig droht der Verlust mehrerer tausend Arbeitsplätze und deren Verlagerung ins Ausland.

 

Vor diesem Hintergrund hat sich die OÖ. Industriellenvereinigung (IV OÖ) mit der Erarbeitung neuer Strategien beschäftigt, die es erlauben, die im Kyoto-Protokoll vorgegebenen Klimaschutzziele zu erreichen, ohne die oberösterreichische Industrie – und damit den mit Abstand wichtigsten Wirtschaftsfaktor im Lande – überdurchschnittlich zu belasten. „Wir halten es für wesentlich besser, nicht die Ökostromförderungen sondern die Energieeffizienz zu steigern“, erklärt IV OÖ-Präsident Dipl.-Ing. Klaus Pöttinger die Grundidee: „Es ist günstiger und umweltschonender, den Energieverbrauch einzuschränken, als die Energieerzeugung mit unrentablen Ökostromanlagen zu forcieren!“

 

Zahlreiche oö. Hersteller von Energiesparprodukten

 

Dazu kommt, dass viele oberösterreichische Industriebetriebe in der Entwicklung und Produktion von Baustoffen und Produkten führend sind, die die Energieeffizienz im Wohnbau erheblich steigern. So zählen heimische Hersteller von

> hochdämmenden Baustoffen und Dämmmaterialen,

> Heizkesseln,

> Fenstern,

> Wärmepumpen und

> Sonnenkollektoren

teilweise sogar international zu den Technologie- und Marktführern. „Im Gegensatz zur Förderung wirtschaftlich unrentabler Ökostromanlagen würde ein ver-stärkter Einsatz dieser Produkte die Wertschöpfung im Inland steigern und zusätzliche Arbeitsplätze schaffen“, meint Pöttinger.

 

Wissenschaftliche Bestätigung für IV-Position

 

Die IV OÖ gab daher beim Energieinstitut der Johannes Kepler Universität Linz eine Studie in Auftrag, die sich zum einen mit den Möglichkeiten des Energiesparens unter Verwendung oberösterreichischer Industrieprodukte und andererseits mit den volkswirtschaftlichen Auswirkungen beschäftigen sollte. Da ein Drittel des gesamten österreichischen Energieverbrauches für Raumheizung, Klimaanlagen und Warmwasseraufbereitung verwendet wird, wurde der Fokus dieser Untersuchung auf die Energiesparmöglichkeiten bei Altbauten gelegt.

 

Vereinfacht ausgedrückt beschäftigt sich die Studie mit der Senkung des Energie-verbrauches in Ein- und Zweifamilienhäusern, die seit dem Zweiten Weltkrieg errichtet und hinsichtlich der Wärmedämmung noch nicht den modernen Standards angepasst wurden. Das Untersuchungsergebnis übertraf die ursprüngliche Ein-schätzung der IV OÖ bei weitem. Aus der von Univ.-Prof. Dr. Friedrich Schneider und Dr. Horst Steinmüller erstellten Studie geht klar hervor, dass

> der Energieverbrauch in diesen mehr als 100.000 Gebäuden auf ein Drittel des heutigen Wertes gesenkt werden und damit

> die Treibhausgas-Emissionen in Oberösterreich um 23.500 Tonnen CO2 pro Jahr reduziert werden könnten.

> Gleichzeitig würden dadurch zusätzliche Investitionen von 80 bis 115 Mio. Euro anfallen und

> zu einer Erhöhung des regionalen Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 152 bis 218 Mio. Euro,

> zu einem Anstieg der Beschäftigung von 1.900 bis 2.700 zusätzlichen Arbeitsplätze und

> zu einer Erhöhung des Volkseinkommens um 97 bis 139 Mio. Euro führen.

 

 „Diese Zahlen zeigen deutlich, dass es durchaus geeignete Wege zur Erreichung des Kyoto-Zieles gibt, und die Verantwortung nicht immer ausschließlich auf die Industrie abgewälzt werden muss“, so IV OÖ-Präsident Pöttinger.

 

Die Studie im Detail

 

Im ersten Schritt wurden die Potentiale zur Emissionsreduktion untersucht. Dabei stellten sich der Einsatz emissionsärmerer Heiztechnologien und die Verstärkung des Wärmeschutzes durch Dämmmaßnahmen als sinnvollste Maßnahmen heraus. Während durch das neue Wohnbauförderungsgesetz für Neubauten hohe Stan-dards vorgeschrieben sind, gibt es noch viele Altbauten die einen Nutzenergiebedarf von 200 kWh/m2.a (Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr) aufweisen. Zum Vergleich: Neubauten, die dem Niedrigenergiestandard erfüllen, werden mit maximal 50 kWh/m2.a betrieben.

 

Eine Potentialerhebung ergab, dass in Oberösterreich rund 303.000 Wohnungen bestehen, die vor dem Jahr 1990 errichtet wurden und daher deutlich unter den heute geltenden Energiesparstandards liegen. Deren Isolierung auf Niedrigenergiestandard (50 kWh/m2.a) würde bereits eine Reduktion des CO2-Ausstoßes um 1,57 Mio. Tonnen und damit von 11 Prozent des für Gesamtösterreich geltenden Reduktionsvolumens nach der Kyoto-Klimastrategie bedeuten.

 

Um möglichst realisierbare Werte zu erhalten, wurden in der Studie aber nur jene Ein- und Zweifamilienhäuser berücksichtigt, die nach 1945 und vor 1980 errichtet wurden. Diese 102.000 Häuser mit insgesamt 131.000 Wohnungen weisen in der Regel besonders schlechte Dämmwerte auf.

 

Weiters wurden drei verschiedene Sanierungsvarianten definiert:

a) die Halbierung der Verbrauchswerte von derzeit 180 bis 230 kWh/m2.a auf maximal 100 kWh/m2.a durch die Verwendung von zusätzlichem Dämmma-terial,

b) die Reduktion der Verbrauchswerte auf maximal 85 kWh/m2.a mit Hilfe höherwertiger und teurerer Dämmstoffe sowie

c) die Erreichung des Niedrigenergiestandards für Altbauten von maximal 65 kWh/m2.a durch zusätzlichen Austausch aller Fenster.

 

Während sich die Sanierungsvariante a) alleine durch die Energieeinsparung für die Eigentümer rechnen würde, bedarf es für die Varianten b) und c) Zuschüsse durch das Land Oberösterreich, die – so wie bei der derzeit geltenden Regelung für die Wohnbauförderung – in Form von Annuitätenzuschüssen von bis zu 40 Prozent bei der Variante c) geleistet werden könnten.

 

Positive Auswirkungen für Umwelt und Wirtschaft

 

Es kann davon ausgegangen werden, dass bereits jetzt jährlich ein Prozent dieser zuvor definierten 102.000 Häuser saniert wird. In der Studie wurde hingegen ein Zielwert von 3,33 Prozent festgelegt. Dies würde bedeuten, dass nach 30 Jahren jedes dieser 102.000 Häuser saniert und in den üblichen 30 Jahre dauernden Sanierungszyklus integriert sein würde.

 

Die Auswirkungen auf den Energieverbrauch wären jedenfalls enorm: Bei einem realistischen Mix der zuvor erwähnten Sanierungsvarianten a), b) und c) könnte der Energieverbrauch dieser Häuser auf ein Drittel des heutigen Wertes reduziert werden. Bei den Treibhausgas-Emissionen würde dies eine jährliche Einsparung von rund 7.000 Tonnen CO2 im schlechtesten Fall und bis zu 23.000 Tonnen CO2 im günstigsten Fall bedeuten. Betrachtet bis zum Kyoto-Zieljahr 2012 könnten somit bis zu 138.000 Tonnen CO2 eingespart werden.

 

Und auch die Wirtschaft – insbesondere die Industrie würde davon profitieren: Abhängig von den gewählten Sanierungszielen ergäbe sich dadurch ein zusätzliches Investitionsvolumen bis 115 Millionen Euro und eine BIP-Erhöhung von bis zu 218 Millionen Euro. Das Volkseinkommen würde um bis zu 139 Millionen Euro steigen. Auch bei den Arbeitsplätzen wäre eine positive Bilanz erzielbar, da bei Maßnahme c) in Abhängigkeit vom gewählten Dämmmaterial 1.900 bis 2.700 zu-sätzliche Arbeitsplätze entstehen würden.

 

Im Vergleich zu diesen Zahlen nimmt sich der dafür notwendige Geldbedarf des Landes Oberösterreich relativ gering aus: Im Zuge der Wohnbauförderung müssten jährlich rund 3,6 Millionen Euro zusätzlich an Annuitätenzuschüssen geleistet werden.

 

„Politik hat Hausaufgaben bereits gemacht!“

 

„Wie aus der Studie klar hervorgeht, hat die oberösterreichische Landespolitik ih-re Hausaufgaben bereits gemacht“, meint dazu IV OÖ-Präsident Dipl.-Ing. Klaus Pöttinger: „Das neue Wohnbauförderungsgesetz arbeitet ja bereits mit modernen Niedrigenergiestandards. Nun gilt es nur noch, die Standards für ältere Gebäude zu verbessern!“ Wichtigstes Ziel müsse es sein, dass die Politik mit derIndustrie an einem Strang zieht und die Eigentümer älterer Wohnhäuser über die Möglichkeiten und den Sinn zusätzlicher Energiesparmaßnahmen aufklärt.

 

Für den Fall, dass dafür zusätzliche Finanzmittel notwendig wären, sei es laut Pöttinger möglich, die Energieversorgungsunternehmen des Landes bis zur Sperrminorität zu privatisieren und die Privatisierungserlöse für das aufgezeigte Energie-sparmodell zu verwenden. Sinn würde dieses Modell in jedem Fall machen, so Pöttinger: „Es gelänge damit, den CO2-Ausstoß drastisch zu reduzieren und dem Kyoto-Ziel einen großen Schritt näher zu kommen. Vor allem würden dadurch die Wirtschaft gefördert und zahlreiche neue Arbeitsplätze geschaffen!“ Linz



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