19.04.2010

Holzmangel gefährdet Arbeitsplätze in der Industrie

Die Industrie leidet unter Holzmangel. Das gefährdet die heimischen Zellstoff- und Papierproduktionsstätten und damit Arbeitsplätze.

 Die österreichische Industrie leidet unter Holzmangel - immer mehr Holz muss importiert werden. Spitzt sich die Situation weiter zu, so hat das weitreichende Konsequenzen. Zellstoffproduzenten wie beispielsweise die M-real Hallein AG müssten die Produktion drosseln. Mittelfristig gefährdet die unzureichende Holzversorgung die heimischen Zellstoff- und Papierproduktionsstätten und damit zahlreiche Arbeitsplätze. Experten appellieren an Bauern und Kleinwaldbesitzer, Forstpflege zu betreiben.

Knapp die Hälfte der Fläche Österreichs besteht aus Wald. Dennoch ringt die Industrie um jeden Festmeter Holz. „Es ist leider ein Irrtum zu glauben, dass das waldreiche Österreich für alle Unternehmen ausreichend Holz habe", sagt Norbert Straubinger, Geschäftsführer der Thosca Holz Hallein GmbH. Die Einkaufsgesellschaft versorgt unter anderem die M-real Hallein AG mit Holz. Zwar wachsen in Österreichs Wäldern pro Jahr fast 30 Millionen Festmeter nach, doch nur etwa 20 Millionen Festmeter Holz werden dem Wald entnommen. Die Holzimporte sind daher 2009 um rund sieben Prozent gestiegen, für 2010 wird mit einem Anstieg von weiteren zwölf Prozent gerechnet. Bei der M-real Hallein AG, einem der größten Zellstoffproduzenten Österreichs, stieg der Anteil der Holzimporte im vergangenen Jahr von 20 auf 30 Prozent. Insgesamt werden heuer 40 Prozent des in Österreich stofflich genutzten Holzes (z. B. für die Weiterverarbeitung zu Papier und Platte) aus dem Ausland kommen.

Jeder zweite Kleinwaldbesitzer kümmert sich kaum um seinen Wald
Die Gründe für den Holzmangel sind vielfältig: Zum einen entstehen immer mehr Biomasse-Heizkraftwerke, die große Mengen an Holz benötigen - für die Industrie bleibt dementsprechend weniger Holz übrig. Zum anderen nimmt der Anteil von Kleinwaldbesitzern, die mit der Forstwirtschaft im Grunde nichts zu tun haben, stark zu. „Ein Rechtsanwalt, der einen Wald erbt, hat in den meisten Fällen kaum eine Ahnung von der Forstpflege und kümmert sich zu wenig darum", nennt Straubinger ein Beispiel. Jeder zweite Besitzer kleinerer Wälder lässt sein Areal unberührt. Ein großes Problem für die Holzversorgung: Denn 40 bis 50 Prozent der gesamten Waldfläche in Österreich gehören Kleinwaldbesitzern. Holzmangel gefährdet Arbeitsplätze Wie schwer die heimische Wirtschaft unter dem Holzmangel leidet, zeigt das Beispiel der M-real Hallein AG. Das Unternehmen erzeugt pro Jahr 155.000 Tonnen Zellstoff aus Holz. „Wir sind schwer betroffen", sagt Vorstand Jörg Harbring. Aufgrund der gestiegenen Nachfrage nach Zellstoff wäre das Zellstoffwerk für heuer voll ausgelastet. Hält die schwierige Holzversorgung allerdings weiter an, müsste bald die Produktion gedrosselt werden. „Wir würden gerne voll produzieren, aber uns fehlt schlichtweg das Holz", erläutert Harbring. Eine ausreichende Holzversorgung sei wichtig, um Arbeitsplätze in der Säge-, Spanplatten- und Zellstoff- bzw. Papierindustrie abzusichern. Harbring: „Österreich muss es schaffen, für die Industrie ausreichend Holz zur Verfügung zu stellen. Ansonsten setzt sich der Trend fort, dass Produktionsstätten nach Osteuropa verlagert werden. Denn dort ist die Holzversorgung gesichert."

Appell an Kleinwaldbesitzer: Waldpflege ernst nehmen
Um die Holzversorgung mit österreichischem Holz sicherzustellen, ist vor allem die Information und Motivation der Kleinwaldbesitzer wichtig. Norbert Straubinger von Thosca Holz appelliert an alle Besitzer kleinerer Waldflächen, die Forstpflege ernst zu nehmen: „Wer seinen Wald nicht regelmäßig pflegt, hat hohe Folgeschäden. Zum einen ist ein ungepflegter Wald anfälliger für Sturm, Schnee und Schädlinge wie Borkenkäfer. Zum anderen wird der Aufwand für die Waldpflege immer höher, je länger man wartet." Regelmäßige Waldpflege habe langfristige Vorteile und könne einfach und bequem an professionelle Dienstleister ausgelagert werden. Ein weiterer Anreiz, um Waldpflege zu betreiben: Der Holzpreis ist seit den vergangenen drei Jahren um etwa 25 Prozent gestiegen.

Die M-real Hallein AG erzeugt mit 200 Beschäftigten 155.000 Tonnen Zellstoff jährlich, überwiegend für die europäische Papierindustrie.
Die Thosca Holz Hallein GmbH beliefert den Standort M-real Hallein AG pro Jahr mit 800.000 Festmeter Holz.

 


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Die M-real Hallein AG ist vom Holzmangel schwer betroffen
Die M-real Hallein AG ist vom Holzmangel schwer betroffen



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