Sattler AG: Internationale Ausschreibung für Zeltstädte bei WM-Stadien gewonnen
Von wegen, Österreich sei nicht bei der Fußball-WM in Südafrika vertreten. Die heimische Beteiligung hat zwar mit dem Ball-Hinterherjagen weniger zu tun, vielmehr "spannt" sie sich aber über alle zehn Spielorte.Die Grazer Spezialtextilien-Profis der Sattler-Gruppe liefern 100.000 Quadratmeter Planen - das sind zehn Hektar bzw. die Größe von 15 Fußballfeldern - für die Zeltstädte und VIP-Bereiche rund um die WM-Stadien. "Dabei haben wir eine internationale Ausschreibung gewonnen", so Firmenchef Herbert Pfeilstecher nicht ohne Stolz. Über mehrere Wochen sei die Sattler-Mannschaft mit Weben, Beschichten und Lackieren beschäftigt gewesen, "in diesen Tagen liefern wir die letzte Tranche an unseren Kunden in Deutschland aus." Das ist die Zeltbaufirma Eschenbach, die nun täglich vier bis fünf Container voll mit Zeltmaterial per Schiff nach Südafrika losschickt. Insgesamt werden es 150 Container sein, die drei Wochen auf See unterwegs sind, bevor sie sich bei den WM-Spielorten von Kapstadt (Bild) bis Johannesburg mit viel Muskelkraft zu Zeltstädten verwandeln. Auftragswert für Sattler: mehrere Hunderttausend Euro.
Sattler, das seit 1875 bestehende und in 55 Ländern tätige Familienunternehmen rund um Industrie-Vizepräsident Werner Tessmar-Pfohl, hat in den letzten Jahren auch anderen sportlichen Großereignisstätten seinen Stempel aufgedrückt. Und zwar nicht nur mit Textilien allein, sondern mit der kompletten Dachkonstruktion. Jüngste Erfolgsbeispiele der Sattler-Sparte "Textile Architektur": die Überdachung des Fußballstadions in Sevilla, die Rhein-Neckar-Arena des deutschen Fußballklubs Hoffenheim (fünf Millionen Euro Auftragsvolumen) oder die komplette Überdachung des neuen Formel-1-Rings in Istanbul.
Turbulente Jahre
Heuer zählt die Überdachung eines Einkaufszentrums in Ludwigshafen mit vier Millionen Euro Auftragsvolumen zu den größten Projekten. Im Vorjahr war es die Überdachung einer der weltgrößten Biogasanlagen in Sachsen-Anhalt mit einer von Sattler entwickelten Membran-Lösung. Die Anlage liefert Strom und Gas für 10.000 Haushalte. "In diesen Bereichen sehen wir das größte Wachstumspotenzial", so Pfeilstecher. Denn eines will der Vorstandssprecher nicht verhehlen: "Seit 2008 spüren wir speziell bei Planen für Lkw-Aufbauten die Krise stark." Fürs Gesamtjahr 2009 rechnet man mit bis zu 20 Prozent Umsatzminus. Dass es nicht höher ausfällt, sei der guten Entwicklung bei Biogas und Sonnenschutz zu verdanken.
