Achse Oberösterreich – Steiermark: gemeinsame Positionierung in den Bereichen Forschung, Bildung und Infrastruktur
Verstärkende Ergänzung statt schwächende Konkurrenzierung als Ziel.Zu einer verstärkten Kooperation zwischen der Steiermark und Oberösterreich bei Bildung, Forschung und Infrastruktur riefen am Dienstag die Forschungslandesrätinnen der beiden Bundesländer, Kristina Edlinger-Ploder und Doris Hummer sowie die IV-Präsidenten Jochen Pildner-Steinburg und Klaus Pöttinger auf. Hintergrund ist ein von den IV-Landesorganisationen gemeinsam entwickeltes Positionspapier „zur Frage der Kapazitätserweiterung der universitären Strukturen in Österreich".
Oberösterreich und Steiermark sind die beiden stärksten Industriebundesländer: Gemeinsam decken sie 41 Prozent der Sachgütererzeugung und ein Drittel des gesamten servoindustriellen Sektors (also der Produktion inkl. der industrienahen Dienstleistungen) sowohl bei Wertschöpfung als auch bei den Beschäftigten ganz Österreichs ab. 642.000 Beschäftigte sind dem servoindustriellen Sektor der beiden Bundesländer zuzuordnen - die Bruttowertschöpfung liegt bei 46 Milliarden Euro.
„Diese gemeinsame Basis führt zu drei zukunftskritischen Feldern: Es geht erstens um Kooperation, Synergie und enge Abstimmung statt kostspieliger und Ressourcen verschlingender Konkurrenzierung bei der Forschungs- und Universitätslandschaft, zweitens um die verbindende Infrastruktur und die Zugänge zu ganz wichtigen Räumen wie dem Donau Raum oder den Zugang zu den nordadriatischen Häfen so wie drittens um eine Vorreiterrolle bei einer modernen Bildungslandschaft", so der Präsident der steirischen IV, Pildner-Steinburg
Sein oberösterreichischer Kollege, Klaus Pöttinger, nannte die Frage der Weiterentwicklung der Qualität der Universitäten und der Kooperation von Industrie und Wissenschaft als zentrale Herausforderung: Die Frage der Investitionen in Universitäten und außeruniversitäre Forschungsbereiche im Sektor Kunststoffe haben gezeigt, „dass der Grat zwischen gesundem Wettbewerb und unerwünschter Konkurrenzierung und möglichen kostspieligen Doppelstrukturen sehr schmal ist." Angesichts der beschränkten Mittel der öffentlichen Hand und der durch die Wirtschaftskrise belastete Kapitalausstattung der Unternehmen sei „effizienter und effektiver Mitteleinsatz daher ein Gebot der Stunde". Für die Steiermark und Oberösterreich sei es wesentlich, bei den gemeinsamen, von Industrie und Universitäten bearbeiteten Stärkefeldern auch international in eine kritische Größe mit Top Qualität zu gelangen.
Zu mehr Zusammenarbeit - ganz konkret zwischen den Universitäten von Linz und Leoben im Kunstoff-Bereich rief die steirische Forschungslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder auf: „Wer in Wissenschaft und Forschung im globalen Wettbewerb bestehen will, braucht strategische Netzwerke und vitale Kooperationen. Stärkefelder von internationalem Format können nur in einigen wenigen Disziplinen entstehen, die konzentriert gefördert werden müssen. Der Bereich Kunststofftechnik hat alle Chancen zu einem internationalen Leuchtturmprojekt zu werden, wenn es gelingt, die Achse Leoben-Linz durch Kooperation zu stärken, statt durch Konfrontation zu schwächen."
Ähnlich argumentierte auch ihre oberösterreichische Kollegin Doris Hummer. Sie verwies auf eine Wifo-Studie, wonach forschende Unternehmen im Vergleich zum Durchschnitt ein deutlich höheres Beschäftigungswachstum aufweisen: „Die Förderung von Kooperationen, auch bundesländerübergreifenden, schafft eine Win-Win-Situation, aus der Unternehmen und Forschungseinrichtungen, speziell Universitäten, unmittelbaren Nutzen ziehen."
