Industrie: Deutliche Erholung im ersten Halbjahr 2010
Unsicherheit wird in der zweiten Jahreshälfte aber deutlich stärker„Der erste Schritt aus dem tiefsten Konjunktur-Tal seit 1945 ist getan. Vor uns liegt aber noch ein langer Weg. Die Richtung des Weges im zweiten Halbjahr ist derzeit noch unsicher", zieht Geschäftsführer Dr. Thomas Krautzer eine Bilanz über die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage* der IV Steiermark. Er warnt vor zu großer Euphorie: „Jetzt ist die Zeit der Arbeit nach der großen Dürre, nicht die Zeit der Ernte."
Auslastung steigt, Erträge schwach
Die Analyse der Situation zu Ende des zweiten Quartals zeigt, dass sich erstmals seit Herbst 2008 wieder alle Stimmungsindikatoren im positiven Bereich bewegen. Die Mehrzahl der Betriebe kann über eine gute Geschäftslage und gute Auftragseingänge berichten. Die aktuelle Marktsituation ist jedoch gleichzeitig von einem hohen Preisdruck gekennzeichnet, weshalb die Ertragssituation mit der Kapazitätsauslastung nicht Schritt halten kann. Nur jedes fünfte Unternehmen ist mit der derzeitigen Verdienstsituation zufrieden. Dazu kommt, dass sich alle Zahlen auf die vor einem Jahr zurück genommenen Produktionskapazitäten beziehen.
2. Halbjahr: Entwicklung verliert an Dynamik, Stabilisierung bei Beschäftigung hält an
Der positive Trend des Frühjahres wird sich im Herbst fortsetzen, aber abgeschwächt. Die Planungsindikatoren sind positiv, allerdings verliert die Entwicklung an Dynamik. Waren es vor drei Monaten zum Beispiel noch 31 Prozent der Betriebe, die mit steigenden Personalzahlen rechneten, sind es aktuell noch 15 Prozent. „Trotzdem ist es erfreulich, dass die Stabilisierung bei der Beschäftigung bis den Herbst anhält.", sieht Krautzer durchaus positive Aspekte. Ähnliches gilt für die Produktionstätigkeit in 3 Monaten: Der Saldo steigender zu sinkender Produktion sank von +33 auf +20.
Eine Abschwächung der Positiv-Dynamik prägt auch das Bild bis Jahresende: Nur zwölf Prozent der Betriebe an, dass sie mit einer Verbesserung der Geschäftslage in sechs Monaten rechnen, vor drei Monaten waren es noch 46 Prozent.
Enormer Preiskampf auf den Märkten
„Die momentane Entwicklung ist gut, aber ihre Nachhaltigkeit wird sich erst zeigen", betont Thomas Krautzer. Und weiter: „Die Krise hat den Wettbewerbsdruck enorm verschärft und zu einem massiven Preiskampf auf nahezu allen Märkten geführt. Aufträge an Land zu ziehen ist die eine Seite, an ihnen zu verdienen die andere."
In Anbetracht der nach wie vor kritischen Lage muss die Politik aus Sicht der IV dringend die Standortbedingungen in der Steiermark zumindest stabil halten. Die Industrie fordert von der scheidenden und der neuen Landesregierung, sich dieser Aufgabe umgehend und mit Nachdruck zu stellen.
Keine Belastung auf Kosten der Beschäftigten
Zusätzliche Belastungen seien der Industrie, die ihre Position und damit zehntausende Arbeitsplätze im harten internationalen Wettbewerb zu verteidigen hat, am Beginn der Erholungsphase aber keinesfalls zuzumuten, warnte Krautzer. Zu tief sei der Rückschlag 2009 gewesen und zu instabil die
derzeitige Entwicklung. „Jetzt ist die Zeit des zarten Wachstums und der Arbeit nach der großen Dürre, nicht die Zeit der Ernte", so der IV-Geschäftsführer. Aus Sicht der IV gehe es jetzt vor allem darum, Bedingungen zu schaffen, die es den steirischen Unternehmen ermöglichen, erfolgreich Wertschöpfung aus den Wachstumsregionen der Welt in die Steiermark zu bringen.
Krautzer: „Was wir überhaupt nicht gebrauchen können sind Kampagnen, die aus parteipolitischen Gründen versuchen, einen stilisierten Verteilungskampf jenen Betrieben umzuhängen, die im harten internationalen Wettbewerb die heimische Beschäftigung sichern und selbst Opfer der Krise waren. Die Arbeitnehmer-Vertreter müssen sich langsam überlegen, ob sie da ihren Mitgliedern nicht gerade einen großen Bärendienst erweisen!"
* An der aktuellen Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung Steiermark beteiligten sich 65 steirische Industriebetriebe mit rund 45.000 Beschäftigten.
