Forschung und Innovation sind unsere Zukunft!
"Trotz oder gerade wegen der aktuell wirtschaftlich turbulenteren Zeiten, die auch Österreich deutlich getroffen haben, arbeiten unsere Leitbetriebe weiter massiv daran, ihren Innovationskurs zu halten", stellt IV-Wien-Präsident Kapsch in seinem aktuellen Leitartikel fest.Laut einer Studie des Industriewissenschaftlichen Institutes (IWI) vom Dezember 2009 wurden allein durch die 29 größten internationalen Leitbetriebe in Österreich F&E-Ausgaben in der Höhe von 2,8 Mrd. Euro im Jahr 2008 getätigt. Die meisten dieser Leitbetriebe sind in Wien.
Derzeit liegen wir als nationaler Innovationsstandort im europäischen Vergleich an 6. Position. Aus Sicht der Industrie muss es gelingen, Österreich in die weltweite Spitzen-Liga der Innovationsperformer zu führen. Die Industrie begrüßt die Ausarbeitung einer umfangreichen und verbindlichen Forschungs-, Technologie- und Innovations- (FTI) Gesamtstrategie für Österreich. Die Einführung einer verbesserten, modernen Governance, die Schaffung von kritischen Massen bei Programmen und eine Verbesserung im Bereich der Effektivität der eingesetzten Mittel - Stichwort „Output-Betrachtung" - sind in diesem Zusammenhang ein wichtiger Schritt nach vorne.
Künftiger Wohlstand und Beschäftigung können nur erhalten werden, wenn auch zukünftig Produktion in Österreich in nennenswertem Ausmaß vorhanden ist - dies gilt für Wien in besonderem Maße! Leitbetriebe und ihre intensive Vernetzung mit kleinen und mittleren Unternehmen spielen dabei eine zentrale Rolle. Auch Dienstleistung ist in letzter Konsequenz von Industrie abhängig. Die FTI-Strategie sollte daher auch ein Bekenntnis beinhalten, Produktionskapazitäten in Österreich zu erhalten, ja sogar auszubauen. Dies erfordert natürlich auch einen deutlich erweiterten Innovationsbegriff.
Ein absolutes Schlüsselelement ist die Finanzierung. Die Systemevaluierung zeigt, dass ein Fördermix zwischen indirekter steuerlicher, direkter Bottom-up- und direkter Top-down-Förderung die besten Ergebnisse erzielt. Besonders hervorzuheben ist die Bedeutung der indirekten steuerlichen Forschungsförderung, nicht zuletzt für den immer stärker werdenden konzerninternen Standortwettbewerb, der in Krisenzeiten noch deutlich zunimmt. Die Hebelwirkung dieser Investitionen ist enorm.
Die Wiener Industrie hat vor diesem Hintergrund ihre längerfristigen Vorstellungen klar skizziert. Das neue „Visionspapier 2020 für den Innovationsstandort Wien" ist das Ergebnis zahlreicher Arbeitsgruppentreffen, die im Rahmen der Industriellenvereinigung Wien im Jahr 2009 und in der ersten Jahreshälfte 2010 stattgefunden haben. An den Arbeitsgruppen nahmen Vertreterinnen und Vertreter aus Industrie, Wissenschaft und Forschung sowie Partner aus dem Bereich der Dienstleistung und der NGOs teil, um so bereits früh die Umsetzbarkeit und Anwendbarkeit möglicher Innovationen sicherzustellen. Die Arbeitsgruppen beschäftigten sich mit den Themen Biotechnologie, Umwelt/Energie/Verkehr sowie Home Health Care/Ambient Assisted Living.
Im ersten Abschnitt beschreibt unser Strategiepapier die allgemeine Vision 2020 für den Innovationsstandort Wien - also jene Bedingungen, die im Jahr 2020 am Innovationsstandort herrschen, wenn Wien seine Potenziale optimal ausnutzt und die richtigen Hebel, vor allem in den drei genannten Themenbereichen, in Bewegung setzt. Forschung und Innovation sind essenzielle Bestandteile für eine erfolgreiche Entwicklung des Wirtschafts- und Arbeitsstandortes Wien. Gelingt es der Stadt nicht, diese Bedingungen sicherzustellen, drohen daher spürbare Einschnitte für die Lebensqualität, die Wettbewerbsfähigkeit und die Beschäftigung.
Im zweiten Abschnitt unseres Positionspapiers wird detailliert auf die drei Bereiche Biotechnologie, Umwelt/Energie/Verkehr sowie Home Health Care/Ambient Assisted Living eingegangen und es werden zunächst die Ausgangssituation und bereits bestehende Potenziale und Stärkefelder dargestellt, aufbauend darauf werden Visionen für den jeweiligen Bereich beschrieben und schließlich Ansätze für potenzielle Leuchtturmprojekte aufgezeigt. Größter Wert wird auch auf die Chance der Umsetzbarkeit derartiger Projekte gelegt - denn darauf kommt es letztlich an.
Stichwort „Potenziale und Stärkefelder": Um all das zu erreichen, bedarf es umfassender Reformen im Bildungsbereich, von der vorschulischen Erziehung, der Schule, über den tertiären Bildungssektor bis hin zur betrieblichen Aus- und Weiterbildung und der Attraktivierung von naturwissenschaftlichen und technischen Bildungsangeboten. Der Mensch muss weiterhin im Mittelpunkt stehen, Kreativität und kritisches Denken müssen gefördert und die Begeisterung der Jugend für Technik muss gesteigert werden. Migration und Integration sollten schwerpunktmäßig behandelt, ebenso die Organisationsstrukturen modernen Gegebenheiten angepasst werden. Österreich muss seine Attraktivität nach „außen" als Arbeitsplatz für internationale Spitzenkräfte weiter ausbauen, um im zunehmenden globalen Wettbewerb um die größten Talente vor allem in Forschung und Entwicklung bestehen zu können.
